Pandemie visualisieren

Projekt mit Studierenden der Beuth Hochschule für Technik Berlin, im Fach Biotechnologie. April/Mai 2021.

“Als Biologin kannst Du mir bestimmt sagen, ob der RNA Impfstoff sicher ist”, “Sind Masken wirklich effektiv?”, und “Wie berechnet man eigentlich Inzidenzen?”

Dank Corona war das Fachwissen von uns Wissenschaftler:innen im privaten Umfeld plötzlich gefragt. Das war auch bei meinen Biotechnologie-Studierenden an der Beuth nicht anders. Sie wurden pandemiebedingt zu privaten Wissenschaftskommunikatoren befördert. Eine Student:in berichtete „Meine Familie setzt oft voraus, dass ich als Studentin der Biotechnologie immer auf den aktuellen Stand bin, wenn es um das Thema „Corona“ geht. Fragen wie ‚Wie viele Menschen haben sich in Deutschland schon impfen lassen?‘ und ‘Welche Impfstoffe werden hier in Deutschland angeboten?‘ bekomme ich öfter gestellt.’

Der Plan

Statt im Praktikum wieder Tubuline oder Helikasen bioinformatisch unter die Lupe zu nehmen haben wir uns in diesem Sommersemester entschlossen etwas Alltagstaugliches zu machen. Die Masterstudenten sollten Bioinformatik und Datenwissenschaften praktisch anzuwenden und zu einer eigenen Frage rund um Corona Daten recherchieren, analysieren und auswerten. Die Ergebnisse sollten dann in einer Visualisierung aufbereitet werden und bei der Aufklärung z.B. von Verwandten und Freunden helfen. Wir sind schrittweise vorgegangen und haben systematisch die Abbildungstypen, Text, Layout und Farben gewählt. Und immer wieder gab es Feedback-Runden mit mir und Kolleg:innen im Praktikum – ist die Abbildung und der Farbcode verständlich? Verwende ich noch zu viel Jargon? Sind Piktogramme klar?

Die Ergebnisse

Herausgekommen ist eine herrliche Vielfalt an Visualisierungen zu ganz verschiedenen Fragestellungen. Um den Student:innen zu vermitteln, dass sie eine Stimme haben und schon jetzt zu den Expert:innen zählen, habe ich angeregt, dass wir die Visualisierungen öffentlich zeigen. Nicht alle wollten das, aber ein paar kann ich jetzt hier präsentieren.

Was haben wir gelernt?

 “…ich habe auch eine neue Betrachtungsweise auf Visualisierungen entwickelt und gelernt visualisierte Daten, im wissenschaftlichen aber auch im alltäglichen Zusammenhang, kritischer zu begutachten.”

“…ich habe gelernt, dass es nicht leicht ist, komplexe Daten in verständliche Zusammenhänge zu bringen.”

Und auch: „dass Bioinformatik in dieser Form wohl eines der am meisten frustrierenden Aufgaben der vergangenen Monate für mich war… Ich bleibe eher im Labor, wo die fehlenden technischen Möglichkeiten umgangen werden können und mangelhafte Daten selbst verursacht sind.“

Und wir alle haben nebenbei den Wert offener Daten für die Bioinformatik, aber auch für die Allgemeinheit begriffen: „Ich habe festgestellt, wie abhängig man vom Zugriff auf Daten ist. Wie stark die Beschränkungen bei Daten sind, die eigentlich öffentlich zugänglichen sind, habe ich noch nie in dieser Form zu spüren bekommen.”

Beispiel Arbeiten

Um wichtige biologische Daten hat sich Giuliano Ballacchino (Insta: giuliano_ballacchino) gekümmert, der in einer sehr guten Analyse herausgefunden hat welche Mutationen die Delta (damals hieß sie noch B.1.167) Variante von der britischen (B.1.117) unterscheiden – und wie sich diese Mutationen strukturell auf das Spike Protein auswirken. Zu dem Zeitpunkt war es noch nicht mal leicht überhaupt die Sequenzen zu bekommen, deswegen Chapeau!

Viet Vu hat innerfamiläre, interdisziplinäre Synergien genutzt und mit einem Programm seiner Architektur-studierenden Schwester angefangen zu spielen, um uns ein prima Video zu präsentieren. Ich würde gerne einen Kurs bei IHM belegen, um das zu lernen. Es ist ein super Einstieg in das Thema rund um Corona für alle. HIER IST DER LINK

Ebenfalls als Einstieg dient die Arbeit von T.H., der uns eine Webseite gebaut hat, die als Informations-Aggregator dienen soll, um wissenschaftlich validierte Informationen zu Corona gebündelt zu präsentieren. Wenn er ganz viele Klicks bekommt, betreibt er die Seite vielleicht sogar weiter 🙂

Micela Condor Jonske präsentiert eine Übersicht für Schüler die wissen wollen: habe ich vielleicht Corona? Und wenn ja, was sind die Testmöglichkeiten? PCR versus Schnelltest wird gezeigt und auf Seite 2 gleich welcher Test wann überhaupt Corona nachweisen kann! Hinweis, die verschiedenen Varianten die Giuliano Ballacchino beschrieben hat sind damit nicht nachweisbar.

It’s game time! Eine alternative um Schüler anzusprechen kommt mit einem Computer-Spiel daher. Die MAC Leute müssen stark sein, weil das ist ein PC-Game. Alle anderen: Ladet euch die 2 Dateien und die .EXE runter und installiert euch das Infromations-Game im SuperMario Style das Marie Köhler für euch gebastelt hat. Mein Teenager-Sohn fand es spitze und den Retro-Look cool! Say thanks auf Github oder bei linkedin.com/in/marie-köhler.

Alicia Oberländer (https://www.linkedin.com/in/alicia-oberl%C3%A4nder-68aa43214/ )hat mit dem Tool Biorender und eigener Recherche ein Poster gestaltet: „Ich will den pathologischen Verlauf einer schweren COVID-19 Erkrankung in der Lunge für Studierende, aber auch interessierte Mitmenschen, zugänglich machen und durch meine Visualisierung dieses spannende Wissen teilen und das Verständnis für das komplexe Thema erleichtern”. Francesca H. wollte herausfinden warum CORONA Symptome bei Kindern so anders sind als bei Erwachsenen – und ob das an einem unterschiedlich entwickelten Immunsystem liegen könnte – ein sehr ambitioniertes Unterfangen, und sie musste feststellen dass auch hier die Datenlagen noch nicht sehr gut ist!

Jessica Wiest hat sich, es ging wie gesagt gerade los mit dem Impfen für alle, mit den verschiedenen Impfstoffen beschäftigt und ihr Poster erklärt allgemeinverständlich die verschiedenen Wirkmechanismen. Nouran K. vergleicht ebenfalls die beiden RNA-Impfstoffe die zurzeit auf dem Markt sind. Ihre Wirkmechanismen, Nebenwirkungen und den Preis! Es fehlt nur der CUREVAC Impfstoff, der aber momentan eher keine Zulassung bekommen wird. Farah Jaabous hat untersucht wie weit Deutschland mit den Impfungen ist, welche Bundesländer vorankommen und was verimpft wird. Juliane Schwarzer (https://www.linkedin.com/in/juliane-schwarzer-92ab641ab/) hat ebenfalls den Impfstand untersucht und außerdem noch mit einbezogen wie hoch die Impfbereitschaft ist.

Unser Kurs lief Ende April/Anfang Mai – da ging es gerade los mit Impfungen. Die Lage für Schwangere war allerdings noch unklar. Gina Fonfara (https://www.linkedin.com/in/gina-fonfara-403865197/) hat die Daten diesbezüglich untersucht und ein Poster erstellt was z.B. in gynäkologischen Praxen Schwangere schnell informieren kann.

Filiz M. Özcan (insta: felizmeliz)hat eine extrem umfangreiche Arbeit gemacht, um herauszufinden, wie sicher die die Schutzmechanismen und somit die Verkäufer im Einzelhandel sind. Eine ihrer Visualisierungen ist ein Poster und eine Broschüre für den Einzelhandel mit Verhaltenstipps. Unten das Poster für die Eingangstür. Sie hat auch noch ein Poster für Kinder angefangen, dass ihnen etwas farbenfroher Einkaufen unter Corona-Bedingungen erklärt.

Lea Helm hat im Verlauf der ersten Welle die Pandemie-Massnahmen in Deutschland mit der Inzidenzzahl korreliert und Lennard S. hat die Massnahmen der gesamten Pandemie mit dem CHI korreliert, also wie effektiv das ist, und dann Deutschland und Portugal, wo es bei unserem Kurs gerade zu größeren Ausbrüchen kam, verglichen.

Eine spannende Idee kam von Robert Bütepage (insta bobby_buetepage), der einen Vorschlag macht wie man gelangweilte U-Bahnfahrer in Berlin zum Maskentragen bewegen kann: mit einer simplen Grafik im Berliner Fenster. Das schwierigste war, diese auch wirklich simpel hinzubekommen! Florian D. Hofschläger – „Warum die Kombination Chor und Corona? – „Ich bin leidenschaftlicher Sänger.“ Man beachte: das Notenpapier im Hintergrund! Es sind wenig Visualiserungen, dafür aber ein Poster mit schnell lesbarem Text, vielleicht hilft es dem einen oder anderen Chor, der jetzt wieder an Proben denkt!

Bild UBahn: (c) horizont.net/marketing/nachrichten/-Be-Berlin-spannt-U-Bahnen-in-Hauptstadtkampagne-ein-79642″

Wenn euch etwas gefällt macht euch die Mühe und schickt den Studenten eine Nachricht auf Linkedin oder ich leite das weiter Helena.Jambor – at – beuth-hochschule.de

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